Laufen · Penzing, Wien · aufgezeichnet mit NomadTracks

Steinhof und die goldene Kuppel: 9,7 km Abendlauf in Wien

Nicht jeder aufgezeichnete Track braucht einen Berg. Das hier ist eine 9,7 Kilometer lange Laufrunde, die den 14. Wiener Gemeindebezirk nie verlässt — ein Septemberabend, 103 Höhenmeter, von einer Backstein-Pfarrkirche hinauf zu dem, was oft als erste moderne Kirche Europas bezeichnet wird, und wieder hinunter.

Die Uhr sagt eine Stunde dreizehn, und sie ist ehrlich darüber, was für ein Lauf das war: Auf der Strecke liegt so viel, dass die Kamera neunundzwanzig Mal herauskam. Eine ganz normale Hausrunde durch ein ganz und gar ungewöhnliches Stück Stadt.

Distanz9,7 km
Höhenmeter103 m
AktivitätLaufen
Dauer1 h 13 min

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Routenkarte: Steinhof und die goldene Kuppel: 9,7 km Abendlauf in Wien — gezeichnet aus den aufgezeichneten GPS-Punkten auf einer OpenStreetMap-Karte
Der tatsächlich aufgezeichnete GPS-Track — Start grün, Ziel orange. Nummerierte Pins zeigen, wo die Fotos unten entstanden sind.

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Höhenprofil des Tracks
Höhenprofil über die gesamte Distanz. Schalte die Karte oben in den interaktiven Modus und fahre dann über das Profil — ein Marker folgt der Route.

Von Breitensee hinauf auf die Baumgartner Höhe

Die Runde startet in der Kendlergasse in Breitensee, ein paar Schritte von der Pfarrkirche entfernt — ein neugotischer Backsteinbau von Ludwig Zatzka, 1898 fertiggestellt und in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. geweiht. Von dort geht es westwärts über die Breitenseer Straße und dann rund vier Kilometer lang stetig bergauf, ganz ohne Dramatik. Das Höhenprofil zeigt es ehrlich: 239 m am Start, 322 m oben, nirgends steiler als eine gewöhnliche Wiener Seitengasse. Der höchste Punkt dieser Runde ist kein Gipfel. Es ist ein Kirchentor.

Otto Wagners Kirche, ganz oben

Die Kirche am Steinhof — eigentlich die Kirche zum heiligen Leopold — entstand zwischen 1904 und 1907 nach Plänen von Otto Wagner und gilt weithin als erste moderne Kirche Europas. Sie steht auf dem höchsten Punkt einer damals brandneuen Heil- und Pflegeanstalt, und sie ist konsequent von den Menschen her gedacht, die sie benutzen sollten: Der Boden ist leicht geneigt, damit er sich auswaschen lässt, die Bänke haben abgerundete Kanten, das Weihwasser tropft, statt in einem Becken zu stehen. Außen sind dünne Marmorplatten mit Kupferbolzen auf das Ziegelmauerwerk gesetzt — dieselbe Bauweise wie bei Wagners Postsparkasse — und darüber sitzt die Kuppel, die dem Hügel seinen Spitznamen gegeben hat: Von Weitem wirkt die Vergoldung wie eine halbierte Zitrone, weshalb die Baumgartner Höhe im Volksmund Lemoniberg heißt. Glas und Mosaike stammen von Koloman Moser, die Engel von Othmar Schimkowitz.

Ein Areal mitten in der Verwandlung

Das Gelände rund um die Kirche ist der Grund, diese Runde jetzt zu laufen und nicht erst in fünf Jahren. Das Spital, das sich in rund sechzig Jugendstil-Pavillons über den Hang verteilt, wurde Mitte der 2020er-Jahre als Klinik Penzing aufgelöst, und das Areal wechselt gerade seine Bestimmung: Die Central European University ist mit dem Wintersemester 2025/26 in die Mitte des Geländes gezogen, die übrigen Pavillons werden denkmalgerecht für Lehre, Wissenschaft und Kultur saniert. An dem Abend, an dem dieser Track entstand, hingen bereits die Banner der Parallel Vienna — die Kunstmesse bespielt jeden September vier der historischen Gebäude und eröffnete am nächsten Morgen. Pavillons im Gerüst, Pavillons voller Galerien, Pavillons noch leer, alles innerhalb weniger hundert Meter. Ein eigenartig stiller Ort, um im Abendlicht durchzulaufen.

Das Mahnmal, an dem man nicht vorbeilaufen sollte

Auf der Wiese vor dem Jugendstiltheater stehen 772 schmale Stelen aus Stahl, je rund 80 cm hoch, mit einem Lichtpunkt oben, der bei Dämmerung angeht. Jede steht für ein Kind. Zwischen 1940 und 1945 betrieben die Nationalsozialisten hier die Anstalt „Am Spiegelgrund“; 772 Kinder und Jugendliche wurden darin ermordet, weil sie als „bildungsunfähig“ galten. Die Stelen stehen in einem starren Raster von etwa 70 cm Abstand, und genau darum geht es: Das Raster zeigt die vollständige Unfreiheit. Es sind ein paar Minuten von der Kirche, auf derselben Anhöhe. Das ist die eine Stelle auf dieser Runde, an der man stehen bleiben sollte.

Am Stadion vorbei und heim

Westlich des Areals fällt die Route auf ihren tiefsten Punkt, 222 m, und führt am Zaun des Allianz Stadions entlang, wo der SK Rapid Wien seit 2016 spielt — 24.000 Sitzplätze, 28.600 mit Stehplatzsektor, und ein Trainingsplatz direkt am Gehsteig. Von dort geht es schnurgerade über die Hütteldorfer Straße zurück durch Baumgarten und Breitensee, rund vier Kilometer ganz normale Wiener Straße, bis zum Ausgangspunkt.

Warum man eine Runde durch die eigene Stadt aufzeichnet

Auf dieser Strecke musste niemand navigieren. Die aufgezeichnete Linie leistet etwas anderes: 9,72 km, eine Stunde dreizehn von Tür zu Tür, 103 Höhenmeter — ein Höhenprofil, dessen einziger Gipfel eine Kirche ist. Stadtrunden sind die Tracks, die man am seltensten speichert und am häufigsten später zurückhätte: die Runde, die man Besuch zeigt, der Abend, an dem das Licht gepasst hat. Das GPX unten enthält Koordinaten und Zeiten für alle, die dieselbe Runde laufen wollen.

Über die Region: Penzing, Wien

Penzing ist der 14. Wiener Gemeindebezirk und reicht vom Gürtel bis an den Rand des Wienerwalds. Auf seiner Anhöhe, der Baumgartner Höhe, liegt das Otto-Wagner-Areal: rund sechzig Jugendstil-Pavillons, 1904 bis 1907 als niederösterreichische Heil- und Pflegeanstalt „am Steinhof“ errichtet, mit Otto Wagners Kirche zum heiligen Leopold auf der Kuppe — vielfach als erste moderne Kirche Europas bezeichnet und eines der prägendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils, seine vergoldete Kuppel von weiten Teilen der Stadt aus sichtbar. Das Spital wurde Mitte der 2020er-Jahre als Klinik Penzing aufgelöst; die Central European University zog mit dem Wintersemester 2025/26 ein, die Pavillons werden für Universität, Kultur und Wissenschaft saniert, und jeden September bespielt die Kunstmesse Parallel Vienna vier davon. Auf derselben Anhöhe steht das Mahnmal für die 772 Kinder, die zwischen 1940 und 1945 in der NS-Anstalt „Am Spiegelgrund“ ermordet wurden. Hangabwärts im Westen, in Hütteldorf, liegt das Allianz Stadion des SK Rapid Wien; hangabwärts im Osten Breitensee mit Ludwig Zatzkas neugotischer Backstein-Pfarrkirche von 1898. Die ganze Runde läuft auf Asphalt und Parkstraße — eine Stadtlaufrunde, kein Trail.

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