Laufen · Ottakring, Wien · aufgezeichnet mit NomadTracks

Abendrunde über den Wilhelminenberg: 10,2 km durch den Wiener Westen

Im Westen geht Wien nicht zu Ende, es geht in den Wienerwald über. Genau an dieser Kante entlang führt diese Runde: 10,2 Kilometer, 171 Höhenmeter, eine Stunde sechzehn. Start ist in Penzing auf 239 Metern, der höchste Punkt liegt mit 353 Metern am Wilhelminenberg, der tiefste mit 223 Metern unten in Dornbach. Dazwischen liegen drei Bezirke.

Aufgezeichnet an einem Dienstagabend Mitte September, von 18:03 bis 19:19 Uhr — also in genau jener Stunde, in der das Licht über der Stadt orange wird. Zwanzig Mal kam unterwegs die Kamera heraus: ein Wasserspeicher, über dessen Dach man spaziert, ein Schloss auf einem Berg mit zwei Namen, ein Weingarten mitten in der Stadt, der größte Gemeindebau des Roten Wien und ein Fußballplatz, auf dem seit 1904 gespielt wird.

Distanz10,2 km
Höhenmeter171 m
AktivitätLaufen
Dauer1 h 16 min

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Routenkarte: Abendrunde über den Wilhelminenberg: 10,2 km durch den Wiener Westen — gezeichnet aus den aufgezeichneten GPS-Punkten auf einer OpenStreetMap-Karte
Der tatsächlich aufgezeichnete GPS-Track — Start grün, Ziel orange. Nummerierte Pins zeigen, wo die Fotos unten entstanden sind.

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Höhenprofil des Tracks
Höhenprofil über die gesamte Distanz. Schalte die Karte oben in den interaktiven Modus und fahre dann über das Profil — ein Marker folgt der Route.

Aus Penzing hinauf: ein Wasserspeicher unter der Wiese

Bergauf geht es vom ersten Kilometer an. Nach knapp zehn Minuten steht man in Breitensee vor einer Böschung, die nach nichts aussieht — bis man das steinerne Portal in ihrer Flanke bemerkt. Dahinter liegt der Wasserbehälter Breitensee, fertiggestellt 1896. Wien hatte 1890 seine Vororte eingemeindet, und die neuen Bezirke lagen schlicht zu hoch: Im freien Gefälle kam das Hochquellenwasser dort nicht mehr an. Also baute die Stadt unten ein Pumpwerk und hier oben den Behälter dazu, rund 28.000 Kubikmeter, mit einer Wiese als Dach. Seit 2004 steht die Anlage unter Denkmalschutz, in Betrieb ist sie nach wie vor. Weiter oben löst sich die Stadt in Kleingärten auf: Hecken, schmale Asphaltwege, nummerierte Gartentüren, dazwischen Ausblicke über die Dächer. Eine blaue Emailtafel in der Liebhartstalstraße meldet den Bezirkswechsel nach Ottakring. Und aus dem Tal hinaus führt kein Weg, sondern eine Stiege: der Paulinensteig, 88 Stufen mit einem Absatz in der Mitte. Dort hört das Laufen kurz auf.

Ein Schloss, ein Berg, zwei Namen

Auf 347 Metern geben die Bäume das Schloss Wilhelminenberg frei. Der Grund gehörte einst Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lacy und ging 1780 an Dmitri Galitzin, den russischen Gesandten in Wien, der daraus einen Park machte — deshalb heißt der Berg amtlich Gallitzinberg. Hundert Jahre später schenkte Fürst Moritz de Montléart das Anwesen seiner Frau Wilhelmine und wollte den Berg nach ihr benannt wissen. Die Behörde lehnte ab. Der Fürst ließ daraufhin Tafeln mit der Aufschrift „Wilhelminenberg“ anbringen und den neuen Namen in den Zeitungen verbreiten, bis er sich durchgesetzt hatte. Seither trägt ein und derselbe Hügel zwei Namen. Auf Wilhelmine geht auch das Wilhelminenspital zurück, das sie 1888 stiftete. Das Gebäude selbst ist jünger als die Geschichte dahinter: Der baufällige Vorgängerbau wurde abgetragen und von 1903 bis 1908 nach Plänen von Eduard Frauenfeld und Ignaz Sowinski als erzherzoglicher Wohnsitz neu errichtet. 1927 kaufte die Stadt Wien das ganze Areal samt Park.

Was in diesem Haus bis 1977 geschehen ist

Die Stadt richtete im Schloss ein Kinderheim ein, und dessen Geschichte gehört zu diesem Berg dazu. Zwischen 1948 und 1977 erlitten Kinder und Jugendliche im Kinderheim Wilhelminenberg schwere körperliche und psychische Gewalt und sexuellen Missbrauch. Eine Kommission unter der Richterin Barbara Helige arbeitete Akten und Aussagen ehemaliger Heimkinder auf und legte im Juni 2013 ihren Endbericht vor. Er bestätigte, was Betroffene jahrzehntelang gesagt hatten; rund dreißig Namen gingen an die Staatsanwaltschaft. Heute ist im Schloss ein Hotel, mit Terrasse und einer der schönsten Aussichten der Stadt. Beides gehört zusammen, und das Zweite sollte man wissen, während man auf dem Ersten steht.

Weingarten mit Blick auf die ganze Stadt

Hundert Meter hinter dem Schloss öffnet sich der Hang, und damit ist klar, wofür man diese Runde läuft: Rebzeilen, die talwärts ziehen, und dahinter Wien, flach bis zum Horizont, um 18:35 Uhr im letzten orangen Licht. Weinbau mitten in der Stadt ist eine Wiener Eigenheit, die es sonst in keiner größeren Hauptstadt gibt: Rund 700 Hektar Rebfläche liegen im Stadtgebiet, gut 240 Hektar davon sind Gemischter Satz — jener alte Satz, der gemeinsam ausgepflanzt, gelesen und gepresst wird und seit 2013 einen eigenen DAC hat. Etwa sechs dieser Hektar liegen hier im 16. Bezirk, an den Hängen von Wilhelminenberg und Baumgartner Höhe. Der höchste Punkt der Runde liegt ein Stück über der obersten Rebzeile, auf 353 Metern. Zur Jubiläumswarte weiter hinten am Rücken ginge es noch ein gutes Stück höher hinauf.

Quer durch den größten Gemeindebau des Roten Wien

Bergab führt die Strecke ostwärts nach Sandleiten. Auf 242 Metern kommt ein Durchgang, über dem in roten Lettern „Erbaut von der Gemeinde Wien in den Jahren 1925-1926“ steht. Das ist der Sandleitenhof: 1.587 Wohnungen, in fünf Bauphasen zwischen 1924 und 1929 errichtet, nach Plänen von Emil Hoppe, Otto Schönthal und Franz Matuschek, nördlich der Rosenackerstraße von Siegfried Theiß, Hans Jaksch und Franz Krauß. Die größte kommunale Wohnhausanlage des Roten Wien ist keine Häuserzeile, sondern ein eigenes Grätzl: Höfe, Durchgänge, der Matteottiplatz als Mitte, dazu eine Waschküche, die eine gemalte Aufschrift bis heute ausweist. Man läuft hier nicht an einem Denkmal vorbei, man ist eine ganze Weile mittendrin.

Der älteste Fußballplatz Österreichs

Der tiefste Punkt der Runde, 223 Meter, liegt am Zaun des Wiener Sport-Club-Platzes in Dornbach. Auf diesem Platz wird seit dem 16. Oktober 1904 Fußball gespielt; länger ist in Österreich kein Platz durchgehend bespielt. Im Sommer 2024 wurden Haupttribüne und Friedhofstribüne abgerissen und neu errichtet — letztere heißt so, weil unmittelbar dahinter der Dornbacher Friedhof liegt. Am 17. April 2026 wurde das Stadion wieder eröffnet, 5.522 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen ein 0:1 gegen den SV Horn. An einem gewöhnlichen Dienstagabend im September ist davon ein versperrtes Tor übrig, ein Flutlichtmast und ein Haufen Rasenschnitt auf dem Spielerparkplatz. Von dort geht es südwärts durch Ottakring zurück nach Penzing, dorthin, wo die Runde begonnen hat.

Warum die Fotos genau dort liegen, wo sie liegen

Zwanzig Fotos auf 10,2 Kilometern, und jedes trägt die Position, an der es tatsächlich entstanden ist — kein geschätzter Punkt aus der Mitte des Tracks. Genau darum lohnt es sich, auch eine ganz gewöhnliche Abendrunde aufzuzeichnen: In einem Jahr ist die Linie nur noch eine Form, an die man sich vage erinnert, und die Fotos darauf sind ein Datum, ein Licht und ein Ort. Navigiert werden musste hier nichts. Das GPX unten ist trotzdem etwas wert.

Über die Region: Ottakring, Wien

Der Gallitzinberg, den alle Wilhelminenberg nennen, bildet den westlichen Rand von Ottakring: Hier gehen der Stadt die Straßen aus und der Wienerwald fängt an. Auf seinem Rücken steht das Schloss Wilhelminenberg, von 1903 bis 1908 als erzherzoglicher Wohnsitz neu errichtet, auf einem Gut, das erst Feldmarschall Lacy und dann dem russischen Gesandten Dmitri Galitzin gehörte — dessen Park gab dem Berg den amtlichen Namen. Den zweiten Namen setzte Fürst Moritz de Montléart in den 1870er-Jahren für seine Frau Wilhelmine gegen die Behörde durch; ihre Stiftung von 1888 begründete das Wilhelminenspital unten im Bezirk. Ab 1927 gehörte das Areal der Stadt Wien, die darin bis in die 1970er-Jahre ein Kinderheim führte, dessen Geschichte eine Untersuchungskommission 2013 aufgearbeitet hat; heute ist im Gebäude ein Hotel. Unterhalb des Schlosses liegen einige der sechs Hektar Weingarten, die im 16. Bezirk noch bewirtschaftet werden, mit Blick über die ganze Stadt. Hangabwärts im Osten beginnt Sandleiten mit dem Sandleitenhof, dem größten Gemeindebau des Roten Wien; nordöstlich davon, in Dornbach im 17. Bezirk, liegt der Wiener Sport-Club-Platz, Österreichs ältester durchgehend bespielter Fußballplatz, 2024 bis 2026 neu gebaut. Gelaufen wird durchgehend auf Straße, Parkweg und öffentlichen Stiegen — eine Stadtrunde, kein Trail.

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