Wandern · Untertauern, Salzburg · aufgezeichnet mit NomadTracks

Über den Hengst zum Wildsee: 18,6 km in den Radstädter Tauern

Ein ganzer Bergtag in den Radstädter Tauern: 18,6 Kilometer, 1.060 Höhenmeter, fünfeinhalb Stunden von der Gnadenalm auf 1.278 Metern hinauf auf 2.135 am Hengst und wieder zurück. Aufgezeichnet an einem Freitag im September, mit Wolken, die den ganzen Tag tief genug hingen, um die Gipfel spannend zu halten.

Die Runde hat zwei Hälften. Hinauf geht es durch ein Tal und an einer Hütte vorbei, zurück über eine Höhenquerung unter Kalkwänden, an einem Karsee vorbei und zu einem Wasserfall, hinter den man gehen kann. Zweiundfünfzig Fotos sind dabei entstanden, ungefähr alle vier Gehminuten eines.

Distanz18,6 km
Höhenmeter1.060 m
AktivitätWandern
Dauer5 h 35 min

Zu diesen Daten: Track und Fotos wurden uns von einem NomadTracks-Nutzer persönlich als Beispiele überlassen. NomadTracks lädt deine Tracks und Fotos niemals hoch und teilt sie mit niemandem — deine Aufzeichnungen bleiben auf deinen Geräten und in deiner eigenen Cloud.

Routenkarte: Über den Hengst zum Wildsee: 18,6 km in den Radstädter Tauern — gezeichnet aus den aufgezeichneten GPS-Punkten auf einer OpenStreetMap-Karte
Der tatsächlich aufgezeichnete GPS-Track — Start grün, Ziel orange. Nummerierte Pins zeigen, wo die Fotos unten entstanden sind.

GPX herunterladen Koordinaten, Höhe und relative Zeiten — absolute Aufnahmedaten sind entfernt, Fotos nicht enthalten.

Höhenprofil des Tracks
Höhenprofil über die gesamte Distanz. Schalte die Karte oben in den interaktiven Modus und fahre dann über das Profil — ein Marker folgt der Route.

Von der Gnadenalm taleinwärts

Start ist die Gnadenalm an der alten Tauernpassstraße oberhalb von Untertauern, auf 1.278 Metern: ein breiter, flacher Almboden im hintersten Taurachtal und Ausgangspunkt für fast alles, was hier oben geht. Die Strecke führt südwärts an der Hintergnadenalm auf 1.336 Metern vorbei und beginnt dann ernsthaft zu steigen. Die ersten vier Kilometer sind die sanftesten des Tages und zugleich das letzte flache Stück: Von hier zieht das Profil zweieinhalb Stunden fast ohne Unterbrechung bergauf, vom Talboden durch Lärchen und Latschen hinaus auf offenes Gras.

Eine Hütte, deren Pacht ausgelaufen ist

Auf 1.802 Metern kommt die Südwiener Hütte, und es lohnt sich zu wissen, was man da vor sich hat. Betrieben wurde sie vom Gebirgsverein, der Wiener Sektion des Alpenvereins; der Grund gehört drei Agrargemeinschaften, verpachtet auf hundert Jahre. Diese Pacht ist ausgelaufen. Eine Einigung über neue Bedingungen kam nicht zustande, das Gebäude entsprach bei Zimmern und Abwasser längst nicht mehr den Vorschriften, und das Geld für den nötigen Umbau war nicht da. Am 30. September 2024 hat sie zugesperrt — eineinhalb Jahre vor ihrem hundertsten Geburtstag, den sie 2026 gefeiert hätte. Ein Abriss steht im Raum. Für die Tourenplanung heißt das schlicht: kein Wasser, keine Jause, kein Dach hier oben, und auch der Winterraum ist außer Betrieb. Die Hütte war eine Etappe am Zentralalpenweg — der hat am selben Tag ein Glied verloren.

Ein Pferd dort, wo die Karte danebenliegt

Oberhalb der Hütte weitet sich das Gelände zum breiten Wiesenrücken des Hengst, und ganz oben steht kein Gipfelkreuz, sondern ein steigendes Pferd, aus Stahl geschnitten und mit Drahtseilen im Fels verspannt. Die Aufzeichnung setzt den Gipfel auf 2.135 Meter. Interessant ist das Wo: In OpenStreetMap liegt der Hengst ein paar hundert Meter daneben — der aufgezeichnete Track ist der, der stimmt. Auf einer Seite über GPS-Tracks ist das einen Moment wert. Eine Bergkarte ist keine Wahrheit, sondern die Vermessung von jemand anderem, von früher; und eine Aufzeichnung, die am Gipfel entstanden ist, weiß besser, wo dieser Gipfel liegt, als ein Punkt in einer Datenbank.

Die Querung unter den Pleißlingkeilen

Östlich des Hengst hört das Steigen auf und das Queren fängt an — das schönste Stück des Tages. Vier Kilometer lang hält die Linie gut 2.000 Meter, am Fuß der Pleißlingkeile und der Großwandspitzen entlang: die Vordere mit 2.380, die Hintere mit 2.437 Metern. Aus grauen Wänden ziehen Schuttfächer herunter, die Wolken drücken auf den Grat. Das Höhenprofil wird hier zu einem langen, ausgefransten Plateau, und genau so fühlt es sich auch an: kleine Anstiege, kleine Abstiege, kein richtiger Gipfel — und die ganze Zeit die Wand zur Rechten.

Der Wildsee

Am Ostende der Querung bricht das Gelände in ein Kar ab, und unten liegt der Wildsee, dunkelgrün, dahinter die Wand der Großwandspitze, die direkt aus dem Schutt aufsteigt. Er liegt gut 1.900 Meter hoch und ist der Wendepunkt der Runde: Ab hier geht es nur noch bergab, 800 Höhenmeter davon, auf der Felseralm-Seite des Tals.

Alpakas, dann sechzig Meter Wasserfall

Der Abstieg führt an der Felseralm auf 1.633 Metern vorbei, wo an diesem Nachmittag zwei Alpakas im Schotter in der Sonne lagen und am Betrieb ringsum nicht das geringste Interesse zeigten. Darunter kommt der Johanneswasserfall: sechzig Meter Wasser über eine Kalkstufe, oben eine Plattform, die über die Kante hinausragt, und ein gesicherter Steig, der hinter dem Wasser durchführt. Rund zweihundert Stufen verbinden beides. Das ist der eine Teil dieser Runde, der auf jeder Familienausflugsliste im Tal steht — nach fünf Stunden leerem Grat wirken Geländer und Tagesgäste ein bisschen wie ein Kulturschock.

Wofür fünfeinhalb Stunden Aufzeichnung gut sind

Das ist die Art Tag, an dem sich ein Track auszahlt. In der Linie steckt, wie lang die Querung wirklich gedauert hat, wo die Höhenmeter tatsächlich lagen und wie viel Abstieg am Wildsee noch vor einem lag — lauter Dinge, die sich hinterher aus Fotos allein nicht rekonstruieren lassen. Und eine kleine Korrektur an der Karte steckt auch drin. Das GPX unten enthält Koordinaten, Höhen und relative Zeiten für alle, die dieselbe Runde gehen wollen; lies vorher den Absatz über die Hütte, bevor du dort mit Wasser rechnest.

Über die Region: Untertauern, Salzburg

Die Radstädter Tauern bilden das westliche Ende der Niederen Tauern, im Salzburger Pongau zwischen Radstadt und dem Tauernpass. Üblicher Ausgangspunkt ist die Gnadenalm auf 1.278 Metern an der alten Passstraße oberhalb von Untertauern: ein flacher Almboden im hintersten Taurachtal, zwanzig Minuten darüber der Johanneswasserfall mit sechzig Metern Fallhöhe, einer Aussichtsplattform und einem Steig, der hinter dem Wasser durchführt. Taleinwärts steigt es zur Südwiener Hütte auf 1.802 Meter, errichtet vom Wiener Gebirgsverein und am 30. September 2024 geschlossen, nachdem die hundertjährige Pacht auf den Grund ausgelaufen war; sie war eine Etappe am Zentralalpenweg, ein Abriss steht im Raum. Oberhalb der Hütte wird das Gelände erst zu offenem Wiesenrücken am Hengst und dann zu Kalk: Pleißlingkeile und Großwandspitzen mit 2.380 und 2.437 Metern, an deren Wänden die Höhenquerung ostwärts zum Wildsee entlangführt. Der Fels ist es auch, der diese Ecke der Tauern anders aussehen lässt als den Rest des Gebirges — hell, brüchig und steil, mit Schuttfächern und Karseen über Weiden, die noch bestoßen werden.

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